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Fatema Mian im Gespräch

Fatema Mian ist Vorstandsmitglied der „Neuen deutschen Medienmacher“ (NdM), auf deren Initiative das Projekt „Neue Deutsche Organisationen“ (NDO) entstanden ist. Außerdem ist sie Journalistin beim Bayerischen Rundfunk. Als Regisseurin machte sie Filme im Bereich Gesellschaft, Wissenschaft und Kulturpolitik. Seit zehn Jahren ist sie Fachredakteurin für Interkulturelles. Fatema Mian ist Entwicklerin des InterkulturMagazins „puzzle“ des BR Fernsehens und arbeitet für diese Sendung als Redakteurin und Autorin.

Fatema Mian ist Teil der Diskussionsrunde auf dem Eröffnungspodium und wird gegen Ende der Veranstaltung gemeinsam mit Mustafa Akça eine Spiegelung der Tagung vornehmen. Wir haben ein kurzes Interview mit ihr geführt.

Haben Sie Lust, sich auf ein kleines Spiel einzulassen? Ich nenne Ihnen jeweils einen Begriff und Sie antworten mit einem Wort, welches Sie spontan dazu assoziieren …

Leitkultur – Leithammel
Perspektive – wechseln
Bildung – Niveau
Museum – Sonntagsausflug
Willkommen – Applaus
Teilhabe – Teilen
Dialog – Neugier
Flucht – Weltpolitik
Heimat – Umbruch
Identität – Stress

Ein einzelnes Wort kann eine unglaubliche Macht entwickeln. Auf der Website der Neuen Deutschen Medienmacher gibt es ein Glossar, das Empfehlungen für eine diskriminierungsfreie Sprache gibt. Wie schätzen Sie insgesamt den Bedarf an Orientierung in diesem Zusammenhang ein?

Ich persönlich halte nichts von Political Correctness, auf jeden Fall nicht im Bereich Kunst und Kultur. In Nachrichten und Informationsbeiträgen hingegen, vor allem der so genannten Leitmedien wäre ein bewussterer Umgang mit Sprache und Bildern wünschenswert, um nicht beim Hören/Lesen/Schauen immer wieder erschrocken und verärgert zusammenzuzucken.

Neulich war in einem Radiobeitrag, anlässlich der Afrikareise der Kanzlerin, von einem deutschen „Botschafter mit feinen Manieren“ zu hören, der sich tagtäglich in dem „Tohuwabohu“ vor Ort bewegt. Als Europäer diesen Alltag als „Tohuwabohu“ zu beschreiben, ist nachvollziehbar. Warum aber wurde beim deutschen Botschafter die „feinen Manieren“ hervorgehoben? Für den Beitrag selbst spielten diese Manieren überhaupt keine Rolle!

Als Journalistin blicken Sie von außen auf die Kulturinstitutionen. Glauben Sie, dass diesen eine zentrale Rolle im transkulturellen Dialog zukommt?

Ja. Aber… welche Rolle überhaupt haben Kulturinstitutionen in unserer Gesellschaft, und wen wollen sie ansprechen und erreichen? Sie waren und sind immer noch ein Hort für Bildungsbürger, vorwiegend. Wenn wir über „transkulturellen Dialog“ sprechen, müssen wir auch über den Zugang von so genannten bildungsfernen Schichten sprechen, auch über den für Deutschdeutsche.

Die Tagung soll sich ja auch mit der Frage beschäftigen, wie die Museen Verantwortung übernehmen können. Wo sehen Sie die Stellschrauben, an denen noch gedreht werden müsste?

„Verantwortung übernehmen“ klingt nach „Pflicht und Erfüllung“. Besser, sich mit Lust, Leidenschaft und Wissbegierde auf Altes und Neues stürzen und einlassen! Es gibt auch schon viele Kulturmacher, die so arbeiten!

Den Begriff „Kultur“ ausdehnen, damit spielen. Sich in andere Sphären wagen. Einen Bergman- UND einen Bollywood-Film zu kennen, erweitert den Horizont.

Eine der Haupt-Stellschrauben ist das deutsche Bildungswesen. Die Bedeutung der Fächer wie Kunst und Musik, Deutsch und Geschichte oder Politik müssen einen besseren Stellenwert haben. Genaues Hingucken und Hören, Analysieren und Denken macht Spaß! Nicht unterfordern, sondern herausfordern!

Vielen Dank, Frau Mian, für Ihre Gedanken. Wir freuen uns schon sehr auf den weiteren Austausch während der Tagung!

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