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Interview mit Dr. Matthias Hamann

Der Museumsdienst Köln freut sich darüber, dass man im Verbund mit vielen Partnern wie der Bundeszentrale für politische Bildung, dem Bundesverband Museumspädagogik e.V. und den Neuen Deutschen Organisationen gemeinsam diese Tagung in Köln ausrichten wird.

Dr. Matthias Hamann ist seit 2007 Direktor des Museumsdienstes. Er ist Mitglied in den AKs Migration bzw. Bildung und Vermittlung des Deutschen Museumsbundes und seine Arbeitsschwerpunkte sind u.a. Museums- und Kulturmanagement. Hier beantwortet in diesem Interview zentrale Fragen zum thematischen Hintergrund der Tagung.

Wenn wir die Gegebenheiten der Einwanderungsgesellschaft betrachten, so werden Museums- und Kulturpädagogen sich zukünftig einer neuen Zielgruppe widmen müssen. Wie ist Ihre Wahrnehmung: sind die Kolleginnen und Kollegen darauf entsprechend vorbereitet? Oder gibt es möglicherweise einen gesteigerten Fortbildungsbedarf in diesem Zusammenhang?

MH: Das gibt es durchaus erheblichen Fortbildungsbedarf, vor allem aber auch den Wunsch nach Austausch. Bei unseren Recherchen für das Programm sind wir auf viele Projekte gestoßen, die derzeit entstehen oder durchgeführt werden. Aber außerhalb der großen Städte sind diese Vorhaben nicht miteinander vernetzt. Alle arbeiten für sich, nach bestem Wissen und Gewissen, machen dabei gute und schlechte Erfahrungen, aber haben dazu keine Austauschplattformen. So kommt es im Fach nur bedingt zu einem Wissenszuwachs. Wir hoffen, das mit der Veranstaltung und den begleitenden Publikationen ändern zu können.

Zwischen den Welten – mit dieser Formulierung wird ein Stück weit auch das Unwägbare, das nicht Fertige beschrieben, mit dem wir es im Zusammenhang mit der Flüchtlingsbewegung zu tun haben. Kann darin auch eine Art von Aufbruch mitschwingen? Wie wichtig ist auch die Frage des künftigen Zusammenlebens für die Museums- oder Kulturpädagogik?

MH: Wenn wir als Museumspädagogen die gesellschaftliche Rolle von Museen, wie wir sie seit den 1970er Jahren beschwören, auch weiterhin ernst nehmen wollen, so können wir diese Frage gar nicht hoch genug hängen. Unsere Gesellschaft wandelt sich – und nun verstärkt durch die Einwanderungswelle(n). Museen dürfen also heute weniger denn je die Routinerolle des Musentempels spielen.

Tatsächlich aber haben viele Museen auf den gesellschaftlichen Wandel bereits reagiert – und gerade stadtgeschichtliche und historische Stadtmuseen bedienen in ihren Inszenierungen und Veranstaltungen seit vielen Jahren ganz unterschiedliche Zielgruppen.

Ich sehe bei den Museen weniger die Aufgabe, niederschwellig zu arbeiten, sondern vielmehr Dialog zu ermöglichen, partizipativ zu handeln und damit am Ende integrativ zu wirken. Die Selbstdefinition Deutschlands basierte lange Zeit nicht auf einem nationalen Narrativ, sondern auf Kultur – daher ja nun auch der Begriff Kulturnation. Das bietet eine gute Grundlage für einen neuen Aufbruch: auf der Basis des erweiterten Kulturbegriffs.

Für die Tagung wurde zudem der transkulturelle Dialog als ein zentraler Aspekt herausgestellt. Welche Voraussetzungen müssten erfüllt werden, um diesen in Gang zu bringen? Wenn Sie einzelne Schritte auf dem Weg dorthin benennen müssten, welche drei wichtigsten würden Sie nennen?

MH: Dialog setzt voraus, dass mindestens zwei Parteien miteinander sprechen. Demnach brauche ich Diskursorientierung. Und zwar als symmetrische Kommunikation. Die Gesprächspartner sollten auch miteinander reden können. Hierfür hat die Museumspädagogik ein reiches methodisches Repertoire entwickelt. Das zweite wäre, dass Kommmunikation nicht immer verbal sein muss.

Nonverbale Strategien – beispielsweise kreative Auseinandersetzungen sorgen nicht nur für Gespräche, sie sind Kommunikation. Und das dritte ist die bereits oben beschriebene Partizipation. Wer seine Stimme erhebt, möchte Gehör finden. Und wer dazu einlädt, sollte hierfür auch die Bedingungen schaffen.

Wenn wir den Geflüchteten eine Stimme geben, machen wir sie zu einem Individuum. Angesichts der herrschenden Kommunikation und der Vorurteilslage ist das aus meiner Sicht zentral.

Flucht hat sicher auch mit Traumata zu tun. Was antworten Sie denjenigen, die anmerken, dass Kultur nicht zu den wichtigen Dingen im Alltag der Geflüchteten gehören sollte?

MH: Ich antworte, dass es wichtig ist, Gegenwelten zu schaffen. Das hat nichts mit Weltflucht zu tun, sondern eher mit einem Appell an die vielleicht verschüttet gegangene Sicht auf schöne und positive Dinge. Menschen sind in der Lage, einander alles Mögliche anzutun: the good, the bad and the ugly. Wer flieht, vergisst „the good“. Wir können es in den Museen wieder aufscheinen lassen. Das mag blauäugig klingen angesichts der Nachrichtenlage, aber gibt es ein Patentrezeopt? Nein. Versuchen wir es also.

Bitte vervollständigen Sie den Satz:
„Für die Tagung „Zwischen den Welten“ erhoffe ich mir …

MH: … dass wir herausfinden, welches die wichtigsten Strategien sind, mit denen wir erfolgversprechende Einzelveranstaltungen und langfristigen Programme mit Geflüchteten realisieren können. Das meint methodische Strategien ebenso wie die der erfolgreichen Zielgruppenansprache – aber auch Strategien, wie wir selbst uns dabei nicht überfordern. Museen können zu einem transkulturellen Dioalog beitragen und sind dafür auch wunderbare Orte – es sind aber nicht die einzigen.

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